Die Digitalisierung und der Arbeitsmarkt

Immer wieder werden erschreckende Prognosen veröffentlicht, welche die Gefährdung von Arbeitsplätzen in Zeiten der Digitalisierung aufzeigen. Doch sieht die Zukunft unserer Arbeitswelt wirklich so düster aus oder ermöglicht das digitale Zeitalter nicht vielleicht sogar Chancen? Wie könnten die Jobs der Zukunft aussehen?

Die Digitalisierung als Job-Vernichter?

Laut einer Studie des IW Köln geht die Mehrheit der Unternehmen davon aus, dass ihr Personalbedarf in den nächsten fünf Jahren trotz oder gerade wegen der Digitalisierung steigen wird. Unter den befragten Organisationen fanden sich sowohl Unternehmen, welche bisher nur wenig mit dem digitalen Wandel in Berührung kamen und solche, die die digitale Transformation bereits vollzogen haben. 
Bereits im Jahr 2015 seien 15 Prozent aller Berufe in Deutschland durch Computer zu ersetzen. Das würde bedeuten, dass 4,4 Millionen Beschäftigte ihren Job verlören. Wie sieht es dann heute aus, vier Jahre später? Einer Zeit, in der der digitale Wandel unaufhörlich fortgeschritten ist? 

Klartext

Vorwiegend sind es die Routineaufgaben, welche auch von Robotern durchgeführt werden können. Darunter fallen kognitive Aufgaben wie die Buchhaltung oder aber auch manuelle Routinetätigkeiten wie das Sortieren bestimmter Gegenstände. Vor allem der Bereich der Fertigungsberufe ist von der Digitalisierung betroffen, so können hier 65 Prozent aller Tätigkeiten automatisiert werden. In Verkehrs- und Logistikberufen sind schon heute 60 Prozent der Arbeiten von Maschinen durchführbar. In Zukunft könnte der Beruf des Lagermitarbeiters oder des Postboten daher schließlich vollständig aussterben. Hinzu kommen Berufe, die sich auf den ersten Blick nicht direkt unter die Betroffenen des digitalen Wandels einreihen lassen. So gibt es bereits heute technologische Entwicklungen, welche Personalverantwortliche ablösen könnten. Bewerbungsgespräche würden automatisiert ablaufen und Entscheidungen über Beförderungen durch intelligente Maschinen anhand von Datenanalysen getroffen werden. Auch auf Baustellen könnten Roboter Bauarbeiter ersetzen und mittels 3D-Druck Rohbauten direkt vor Ort erstellen. In Zukunft möchte beispielsweise Japan mit Robotern den Personalmangel auf Baustellen ausgleichen. 
In den USA wurde 2017 ein Test durchgeführt, bei dem Juristen und Juristinnen gegen künstliche Intelligenzen antraten und Gerichtsfälle aufklären mussten. Für die Richter waren die Ergebnisse ziemlich ernüchternd. Die Roboter kamen in nur wenigen Sekunden auf ein angemessenes Urteil. Es ist daher nicht unmöglich, dass künftige juristische Sachverhalte von Automaten gelöst werden könnten. 
Bei der Automatisierung von Dienstleistungsberufen spielt jedoch auch immer die Moral eine Rolle. So können und wollen sich noch immer die Wenigsten vorstellen, dass ältere Familienmitglieder von Robotern gefüttert oder Babys von Maschinen gewickelt werden. Neben der ethischen stellt sich hier vor allem aber auch eine rechtliche Frage. Wer haftet, wenn ein Patient im Pflegeheim stirbt, weil ein Roboter ihm die falschen Medikamente ausgegeben hat? Züricher Forscher des Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung sehen die Haftung als K.-o.-Argument für das Einsetzen von Robotern in sozialen Einrichtungen. Bei leichten Aufgaben mit weniger Verantwortung, wie beispielsweise der Essensausgabe könnten sie jedoch durchaus zum Einsatz kommen. 

Ausblick

Die aktuelle technologische Entwicklung lässt vermuten, dass sich Arbeiter in Jobs, die lange Angst vor der Digitalisierung hatten, vorerst weniger vor der Digitalisierung fürchten müssen als gedacht. Man nehme Kraftfahrer als Beispiel. Zwar sind selbstfahrende Maschinen im Kommen, aber in absehbarer Zeit werden diese noch nicht so ausgereift sein, als dass sie fehlerfrei in engen Baustellen manövrieren oder autonome Fahrzeuge bedenkenlos Gefahrengut transportieren könnten. Auch manuelle Nicht-Routine-Tätigkeiten wie zum Beispiel das Einsortieren der Regale im Supermarkt werden vorerst scheinbar nicht von Maschinen durchgeführt. Dazu kommen nicht-routinierte Jobs im analytischen Bereich wie Management- oder Beratungsaufgaben. Hier können künstliche Intelligenzen die Arbeiter unterstützen, jedoch nicht ersetzen. In Zukunft könnten zwar einige zuvor nicht routinierte Berufsfelder zu Routine-Tätigkeiten werden, allerdings bleiben die Bereiche Feinmotorik sowie kreative und soziale Intelligenz zunächst unberührt. Dazu kommt, dass mit technologischen Entwicklungen immer auch Verschiebungen in Berufsfeldern einhergehen. Wird ein Beruf aufgrund einer technischen Innovation ersetzt, entstehen oft bisher unbekannte Berufe rund um die neue Technologie. Eine Studie des Bundesverbandes Bitkom prognostizierte für das Jahr 2019 zudem 40.000 neue Jobs in der IT-Branche. Das entspricht einem Anstieg von 3,5 Prozent. In Zukunft werden vor allem Experten gesucht, welche mit der technischen, aber auch mit der wirtschaftlichen Seite neuer Technologien versiert sind. 

Zukunftsmusik

So könnten die Jobs der Zukunft aussehen:

Data Scientist

Die enormen Datenmengen müssen in Zeiten von Big Data gut organisiert sein. Der sogenannte Data Scientist bereitet die Daten auf und konzipiert Analysemethoden. Die Analyseergebnisse gilt es dann zu interpretieren, um anhand derer betriebliche Entscheidungen treffen zu können. 

Data Steward

Datenschutz ist im digitalen Zeitalter wichtiger denn je. Der Missbrauch von Daten kann für ein Unternehmen verheerende Folgen haben. Um dies zu verhindern, kümmern sich Data Stewards um die Einhaltung von Governance- und Compliance-Vorgaben im Umgang mit Daten.

Online-Marketing-Manager

Der Online-Marketing-Manager beschäftigt sich, wie der Name schon sagt, mit allen Maßnahmen für ein erfolgreiches Marketing im Web. Dabei müssen neue digitale Kanäle bearbeitet und individuelle Strategien angewendet werden. Das Spektrum reicht hier von Multichannel- bis hin zum Influencer-Marketing. 

SEO-Experte

Der SEO-Experte hat die Aufgabe, die Aufmerksamkeit der Nutzer auf die Websites bestimmter Unternehmen zu lenken. Websites müssen bestmöglich auffindbar gemacht werden, da ein Google-Ranking durchaus über den Erfolg des Unternehmens entscheiden kann. 

Web-Analytics-Manager & Web Controller

Der Web-Analytics-Manager wertet Daten zu Website-Traffic oder Kundenverhalten aus, woraufhin der Web Controller diese in entsprechende Maßnahmen für das Unternehmen umformuliert. 

3D-Druck

Produktdesigner und Ingenieure könnten sich künftig auf den Bereich des 3D-Drucks spezialisieren. Der Markt des 3D-Drucks wächst unaufhörlich, die entstehenden Produkte finden in einer Vielzahl von Branchen Anwendung, darunter beispielsweise in der Industrie und Medizin. 

SAP-Berater

Der SAP-Berater unterstützt Unternehmen, indem er basierend auf den individuellen Anforderungen die richtige Hardware auswählt und dem Betrieb damit auch zu erheblichen Produktivitätsgewinnen verhelfen kann. 

Cloud-Architect

Der Cloud Architect muss in allen Cloud-Bereichen äußerst versiert sein, um bestimmte Architekturen in der Cloud entwerfen und weiterentwickeln zu können. Stichworte bilden hier die Themen Migration, hybride Umgebungen, IaaS usw. Der TÜV Rheinland bietet schon jetzt eine Ausbildung zum Cloud Architect an. 

Schlusswort

Entgegen der zahlreichen Befürchtungen sorgt die Digitalisierung durchaus für mehr Jobs, allerdings muss bedacht werden, dass damit auch ein Bedarf an höheren Qualifikationen einhergeht. Die Arbeitnehmer müssen bereit sein, sich stets weiterzubilden und darüber hinaus eigenständig Themen erschließen. Das digitale Zeitalter ist daher vor allem für Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung oder akademischem Grad von Vorteil. Bereits voll digitalisierte Unternehmen können ihr Personal weiter aufstocken. Zudem ist der Einfluss der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt branchenabhängig. Die Arbeit von Ärzten und Pflegekräften kann beispielsweise nicht voll automatisiert werden. Hinzu kommt, dass aufgrund des demografischen Wandels weiterhin zahlreiche Kräfte im Gesundheitsbereich benötigt werden. Durch die Aufhebung analoger Jobs ist allerdings vor allem bei An- und Ungelernten ein sinkender Personalbedarf zu erkennen. Wichtig sind hier soziale Sicherungen und insbesondere die Investition in die Qualifizierung von Arbeitern. Zu beachten gilt jedoch auch, dass allgemeine Prognosen nur schwer zu treffen sind. Klar ist nur: Der Wandel ist unaufhaltsam.

 

2019-09-11
Welke Consulting Gruppe
  • Selina FriesSelina FriesPraktikantin MarketingWelke Consulting Gruppe
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