Die Neue Dimension digital vernetzter Bohrgeräte

Mit der vernetzten GRUNDODRILL-Generation erreicht die Transformation der TRACTO-TECHNIK GmbH & Co. KG vom Maschinenhersteller zum Technologie-Unternehmen für konnektive Baugeräte einen weiteren wichtigen Meilenstein.

2019-06-24
Welke Consulting Gruppe
  • Lea HeuchtkötterLea HeuchtkötterLeitung Strategisches MarketingWelke Consulting Gruppe

„Gut. Ausgesprochen gut sogar. Die Reaktionen waren überwältigend. Ich bin mehr als zufrieden.“ Dieses durchweg positive Fazit zog Timotheus Hofmeister – seines Zeichens Geschäftsführer (CEO) des im südwestfäli-schen Lennestadt ansässigen Unternehmens TRACTO-TECHNIK – zum Abschluss der bauma 2019. Wenige Tage zuvor hatten Hofmeister und seine Mitstreiter auf der Weltleitmesse für Bau-, Baustoff- und Bergbaumaschinen, Baufahrzeuge und Baugeräte erstmalig die neue – vernetzte – GRUNDODRILL-Generation einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Ein Unterfangen, dem das gesamte Unternehmen mit Spannung und einer gewissen Nervosität entgegengefiebert hatte, weil es vor dem Hintergrund umfassender Veränderungsprozesse nicht weniger als eine erste öffentliche Standortbestimmung der jüngeren Unternehmensgeschichte dargestellt hat.

Tracto-Technik entwickelt, produziert und vertreibt Maschinen sowie Zubehör für die unterirdische Verlegung und Erneuerung von Rohrleitungen. Mit den Geschäftsbereichen Pipe Bending Systems und NODIG generiert das Unternehmen mit Sitz in Lennestadt-Saalhausen (Südwestfalen) einen jährlichen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro.

TRACTO-TECHNIK hält weltweit etwa 350 Patente, verfügt über Vertriebspartner in über 70 Ländern und beschäftigt mehr als 500 Mitarbeiter – davon rund 400 in Deutschland.

Die selbst gestellten Ansprüche der neuen Geräte-Generation taten ein Übriges, denn: Die komplett vernetzte GRUNDODRILL-Generation will nichts weniger als eine neue Dimension des Bohrens einläuten (siehe Seite 59). „Alles das, was wir an Neuheiten auf der bauma dem weltweiten Fachpublikum gezeigt haben, ist das Ergebnis eines fortdauernden Veränderungsprozesses, der vor rund fünf Jahren seinen Ursprung fand“, erläutert Hofmeister. Die Initialzündung löste ein Vortrag zur Digitalisierung von Karl-Heinz Land aus. Hofmeister saß eher zufällig im Auditorium des Redners und Buchautors, als ihm schlagartig klar wurde: Wenn wir unsere marktführende Position auch in der Zukunft behalten wollen, dann müssen wir uns verändern.

Das war im Jahr 2014. Heute markiert dieses Jahr die Zeitenwende bei TRACTO-TECHNIK. Zu diesem Zeitpunkt war alles andere als klar, wohin die Reise gehen sollte. In Anbetracht der Tatsache, dass Unternehmen des Maschinenbaus alles andere als wandelorientiert sind, bedeutete dies einen radikalen Paradigmenwechsel: Raus aus den liebgewonnenen Gewohnheiten, rein ins Unbekannte. Geschäftsführung und Inhaber waren sich einig: Soll die starke Marktposition von TRACTO-TECHNIK auch zukünftig Bestand haben, dann sind umfassende Veränderungen unumgänglich.

Raus aus der Komfortzone

Menschen mögen den Wandel generell nicht. Mitarbeiter im Speziellen ebenfalls nicht. Nicht zuletzt deswegen ist die Entscheidung für einen Change immer auch eine ultimative Herausforderung für die Unternehmenslenker. Hofmeister ist überzeugt, dass der Wandel oben beginnt und neben mutigen Schritten vor allem ein konsequentes Vorgehen erfordert – auch und gerade von der Führung selbst. Unternehmenslenker müssen lernen, selbstlos zu agieren – sich ein stückweit ersetzbar machen. Und sie müssen klar artikulieren, was sie wollen. Was in der Theorie so einfach klingt, ist in der Praxis mit erheblichen Verwerfungen verbunden. Um die Transformation des eigenen Unternehmens einzuleiten, bedarf es schonungsloser Ehrlichkeit und der Bereitschaft, die eigene Komfortzone zu verlassen. Hierbei spielte die Installation einer starken zentralen Unternehmenskommunikation eine entscheidende Rolle. Sie ermöglichte es dem CEO, Veränderungen und Impulse nicht nur über die klassische hierarchische Struktur zu verteilen, sondern direkt zu adressieren.

„Wir haben die Kerze damit von beiden Seiten angezündet, weil Mitarbeiter und Führungskräfte stets gleichzeitig informiert werden.“ Der emotionale Prozess des Wandels verläuft in sieben Schritten (siehe Seite 60) und fordert den beteiligten Akteuren alles ab. Die Aufgabe für alle besteht darin, vermeintlich sichere Pfade zu verlassen und unbekanntes Terrain zu erobern. Ziel ist es, revolutionäres Denken in allen Teilen der Organisation zuzulassen, Fehler auf diesem Weg zu akzeptieren und neue Gesichtspunkte des eigenen Geschäfts auszuarbeiten. Aufgabe der Führung ist es, den Wandel zu wollen und die Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen – die Mutigen, die Zögerlichen, die Zurückhaltenden und die Verschlossenen. Hierbei haben auch strategische Berater eine wesentliche Funktion übernommen, weil sie den ungetrübten Blick auf Ziele und die aktuelle Leis­tungsfähigkeit des Unternehmens zusammenführten und operativ als Interimsmanager und Coaches mit eingegriffen haben.

Das Vorgehen, mit dem die Veränderungen bei TRACTO-TECHNIK vorangetrieben wurden, war aus der heutigen Perspektive massiv. „Im Zeitraffer betrachtet, waren wir 2015 damit beschäftigt, Pläne auszuarbeiten und ab 2016 dann vollauf ausgelastet, die neue digital vernetzte Generation der GRUNDODRILL-Reihe nach unseren Vorstellungen zu entwickeln.“ Hofmeister ist es wichtig zu verdeutlichen, dass die Digitalisierung der Produkte nur der Enabler für umfassende Veränderungen in der gesamten Organisation war. Denn: Im genannten Zeitraum hat TRACTO-TECHNIK außerdem einen vollständigen Marken-Relaunch vollzogen, neue Produkte realisiert und eine völlig neue Orientierung in die Organisation hineingegeben. Auf diesem Wege haben alle Beteiligten viel über sich selbst gelernt. In einem von der Welke Consulting Gruppe® begleiteten Prozess wurde beispielsweise die Begeisterung als Markenkern herausgearbeitet. Zentrale Parameter wie Bodenständigkeit, Klarheit oder Eigenständigkeit gewähren dem Markenkern einen sicheren Geleitschutz. In der Summe resultiert daraus ein tragfähiges Gebilde, das TRACTO-TECHNIK mitsamt seiner Unternehmenskultur ausmacht.

Dass ein reibungsloses Zusammenspiel technologischer Kompetenzen mit einer starken Unternehmenskultur in Best-in-Class-Resultaten mündet, davon konnten sich die Fachbesucher der bauma einen eigenen Eindruck verschaffen.

Der erfolgreiche Messeauftritt zeigt, dass die initiierten Veränderungen gelungen sind – sowohl nach innen als auch nach außen. Die überaus positiven Reaktionen der Fachbesucher sind besondere Belege dafür, ein weiterer Beleg ist die Art und Weise, wie die eigenen Mitarbeiter die Produktneuheiten präsentieren. Darüber hat sich Hofmeister besonders gefreut. „Wir alle sind ehrlich begeistert von unserer Technologie“, berichtet der CEO. „Unseren eigenen Enthusiasmus kann man nicht verordnen. Dazu muss man die Mitarbeiter als Menschen mitsamt all ihrer Emotionen gewinnen.“ Dass das nicht immer einfach war, gibt Hofmeister unumwunden zu. Teilweise waren „Privataudienzen“ nötig, um die ärgsten Skeptiker vom neuen Weg zu überzeugen. Es gab Streit, Verzweiflung und Frustrationen. Inzwischen sind gerade die Skeptiker zu den größten Verfechtern geworden. Sie haben dafür gesorgt, dass sich die Begeisterung auf die Messebesucher übertragen und regelrecht ansteckend gewirkt hat.

Wir sind begeistert von unserer Technologie und Innovationsfähigkeit. Das treibt uns an. Jeden Tag.

Digitalisierung verändert Märkte und Branchen

Auch auf strategischer Ebene haben sich die Anstrengungen ausgezahlt. Nicht zuletzt, weil eine klare Führung es ermöglicht hat, komplexe Lösungen gemeinsam zu erarbeiten und Konzepte im Team umzusetzen. Die bauma 2019 hat deutlich gezeigt: In puncto Digitalisierung hat TRACTO-TECHNIK die Nase vorn. Für Hofmeister bedeutet dies, dass sein Unternehmen den Wandel durch die Digitalisierung geschafft hat. „Wir sind für die Zukunft gut gewappnet.“ Was das im Einzelnen bedeutet, darüber redet Hofmeister nicht gerne in der Öffentlichkeit. Aus gutem Grund: Die Digitalisierung verändert ganze Branchen in bislang ungekannter Geschwindigkeit. Zu erwarten ist, dass künftig neue, unbekannte Wettbewerber aus anderen Branchen mit Dienstleistungen und Services auftauchen. Sie gilt es als Marktführer ebenso in Schach zu halten wie das derzeitige Marktumfeld. Wer in dieser Situation zu viel Know-how preisgibt und mit dem eigenen Ideenreichtum kokettiert, der handelt fahrlässig, so Hofmeister.

Auf der Grundlage eines neuen Konzepts zielt die neue GRUNDODRILL-Generation darauf ab, größtmögliche Flexibilität und maximale Produktivität bei der gesteuerten grabenlosen Rohrverlegung miteinander zu vereinen. Bei der Realisierung dieser Vorgaben ist TRACTO-TECHNIK einen kompromisslosen Weg von innovativer Technik und maximaler Digitalisierung gegangen. Im Ergebnis ist dabei ein flexibles Baukastenkonzept herausgekommen, das unterschiedliche Maschinengrößen mit einer Vielzahl an Optionen bietet. Es ermög­licht Anwendern, individuelle Bohrgeräte nach dem Baukastenprinzip zu konfigurieren. Durch deutlich erhöhte Rotations-, Spül- und Antriebsleistungen lassen sich Bohrgeräte optimal an die Geologie anpassen. Gleichzeitig wird so die Produktivität gesteigert.

Basis der neuen Generation ist ein einzigartiges Maschinenkonzept. Die komplette Baureihe in verschiedenen Leistungsklassen kann als Jet Condition System (JCS) in herkömmlichen Böden oder als All Condition System (ACS) in komplexen Geologien und Fels arbeiten. Ein intuitives Bedienkonzept erleichtert die Anwendung. Nahezu alle Funktionen des Bohrgeräts werden über einen zentralen Touchscreen gesteuert. Die weitgehende Automatisierung aller Abläufe ermöglicht ferngesteuertes Bohren mithilfe einer neu entwickelten Fernbedienung. Abgerundet wird die neue GRUNDODRILL-Generation durch weitere digitale Lösungen. Moderne Software verknüpft die Bereiche Planung, Durchführung, Abrechnung, Dokumentation und Service auf intelligente Art und Weise miteinander.

Der emotionale Prozess des Wandels in sieben Phasen

Change-Prozesse folgen hinsichtlich ihrer Aufnahme bei Mitarbeitern einem wiederkehrenden Muster. Das zugrundeliegende Prinzip ist an ein Konzept der US-amerikanischen Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross angelehnt. In ihrer Arbeit mit Sterbenden hat die Forscherin mit schweizerischen Wurzeln die verschiedenen Phasen von Trauer und Abschied analysiert.

Phase 1:

Vorahnung. Sorge.
Die Menschen im Unternehmen ahnen den Wandel schon vor der Ankündigung. Sorgen um die Zukunft treiben sie um. Führungskräfte sollten die Sorgen der Belegschaft ernst nehmen.

Phase 2:

Schock. Verdrängung. Angst.
Menschen fürchten sich vor Veränderungen. Sie reden sich die aktuelle Situation schön und reagieren abwartend. Ein offener Umgang der Verantwortlichen kann die Situation entspannen.

Phase 3:

Widerstand. Ärger. Wut.
Die Menschen reagieren mit emotionalem Widerstand. Sie zeigen Ärger und Wut offen. Mit intensiver Kommunikation begegnen Führungskräfte der angespannten Lage.

Phase 4:

Rationale Einsicht. Frustration.
Der Widerstand weicht der frustrierenden Einsicht, dass Veränderungen notwendig sind. Ermutigungen verstärken den Prozess der rationalen Einsicht.

Phase 5:

Emotionale Akzeptanz.
Tal der Tränen.
Die Trennung von Vertrautem schmerzt. Die Grundlage für die Akzeptanz des Neuen wird gelegt. Verständnis und Empathie seitens der Führung ebnen den Weg zur Akzeptanz.

Phase 6:

Öffnung. Neugier. Akzeptanz.
Die Menschen öffnen sich für die Veränderungen. Ihre Neugier lässt die Akzeptanz wachsen. Führungskräfte unterstützen positive Entwicklungen bestmöglich.

Phase 7:

Integration. Selbstvertrauen.
Zuversicht. Freude.
Die Veränderungen werden angenommen und bilden einen neuen Alltag. Dieser erfährt die Bestätigung durch die Unternehmensleitung

 

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