Die Zukunft des Bargelds

Mit dem digitalen Zeitalter bestehen auch immer mehr Möglichkeiten, bargeldlos zu zahlen. Mit Kreditkarte, Smartphone oder PayPal gibt es mittlerweile zahlreiche Varianten. Bargeldloses Zahlen ist sicher und bequem, dennoch liegt die Barzahlungsquote in Deutschland bei 48 Prozent und somit deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 32 Prozent. Deutschland scheint also nach wie vor am Bargeld festzuhalten. Aber wie wird das Bezahlen in Zukunft aussehen? Legen wir in Zeiten, in denen alles digitaler wird, noch immer Papierscheine ins Portemonnaie oder wird sich die digitale Währung durchsetzen?

Auf internationaler Ebene lässt sich ein unterschiedlicher Umgang mit bargeldlosem Bezahlen feststellen. In Afrika wird hauptsächlich über den Mobilfunk-Anbieter gezahlt, in den USA meistens mit Kreditkarte und in China laufen die Abrechnungen über eine App auf dem Smartphone. 
Ginge es nach dem Internationalen Währungsfonds (IWF), sollte das Bargeld vollständig abgeschafft werden. Der IWF möchte Banknoten in nächster Zeit langfristig eliminieren. Indem die Veränderungen schrittweise erfolgen, möchte man eine öffentliche Diskussion verhindern. Vorerst sollen daher nur große Geldscheine abgeschafft und schließlich eine Obergrenze für die Barzahlung eingeführt werden. Letztendlich würde das Bargeld bei negativen Zentralbankzinsen gegenüber Giralgeld kontinuierlich abgewertet werden. Da das Bargeld demnach im Gegensatz zu Giralgeld einen geringeren Wert besäße, würde folglich bei einer Barzahlung auch mehr gezahlt als beispielsweise bei einer Überweisung oder per Karte. 

Vorteile einer bargeldlosen Welt

Während sich im Falle negativer Zinsen die Attraktivität von Bargeld erhöht, führt ein Bargeldverbot letztlich zu mehr Ausgaben. Sparen lohnt sich nicht, der Konsum steigt. Die Wirtschaft wird angekurbelt, die Abschaffung von Bargeld bringt somit ökonomische Vorteile. Auch durch Transaktionsgebühren und die Nutzung von Daten werden Einnahmen generiert. Banken profitieren und sparen zudem viel Geld. So kosten die Versorgung und der Umgang mit Bargeld in der EU jährlich ca. 140 Milliarden Euro. Rechnet man der Preis der Nutzung von Bargeld pro Kopf herunter, so entstehen alle zwölf Monate für jeden Deutschen Kosten in Höhe von etwa 130 Euro. Neben den ökonomischen Vorteilen soll durch das vorwiegend digitale Zahlen aber auch die Kriminalität verringert werden. Einbrüche und Banküberfälle ließen sich durch die Abschaffung von Bargeld eindämmen. 

Aber …

In Zeiten, in denen immer mehr Daten von Personen angesammelt werden, wird auch der Datenschutz immer wichtiger. Bargeld bietet noch immer ein Stück persönliche Freiheit. Niemand kann direkt nachverfolgen, wofür und in welcher Höhe Geld ausgegeben wird. Viele befürchten, mit der Abschaffung des Bargeldes zum gläsernen Menschen zu werden. So könnten Banken und weitere Institutionen, welche die Daten von Überweisungen und Co. auswerten, das Einkaufsverhalten eines jeden Einzelnen mitverfolgen. Diese Daten könnten an weitere Einrichtungen wie beispielsweise Krankenkassen geleitet werden. Diese könnten genau einsehen, wie der Wocheneinkauf aussieht oder wie viele Kugeln Eis man im Sommer genießt. Auch die Freizeitgestaltung wäre durch eine rein digitale Währung transparent. Doch nicht nur die Transparenz bereitet Bargeldliebhabern Sorgen. Mittels Bargeld behält man auch eine bessere Kontrolle über die Ausgaben. Ein bestimmtes Kostenbewusstsein bleibt erhalten, indem man sieht, wie viel Geld weggeht. Zückt man statt Geldscheinen stets die Kreditkarte, kann man leicht den Überblick verlieren. Vor allem Kinder und Jugendliche erlernen durch den Umgang mit Bargeld die Finanzplanung. Darüber hinaus lässt sich mit Bargeld immer bezahlen. Der Zahlvorgang ist nicht von äußeren Einflüssen abhängig. Man stelle sich vor diesem Hintergrund eine bargeldlose Welt zu Zeiten eines Stromausfalls vor. Es könnte außerdem der Fall eintreten, dass die Bezahlung mit Bargeld durch andere Währungen wie Edelmetalle oder Gegenstände (beispielsweise Zigaretten) ersetzt werden. Vor allem aber ältere Menschen sind mit neuen Technologien und digitalen Zahlungsarten noch nicht ausreichend vertraut. Diese Personen ziehen fassbares Geld daher vermutlich weiterhin vor. 

Vorreiter Schweden

Wie sich im vorigen Blogbeitrag zu Johan Palmstruch herausstellte, waren die Schweden bereits mit der Einführung des Papiergeldes in Europa Vorreiter. Jetzt zieht das Land auch mit der Einführung einer durchweg digitalen Währung nach. 
Bis 2030 plant Schweden, vollständig bargeldlos zu sein und der Weg dahin ist bereits geebnet. Seit 2007 ist der Wert der Schwedenkronen um mehr als die Hälfte gefallen. In den Jahren von 2010 bis 2012 stellten über 500 Banken den Vertrieb von Bargeld ein, ca. 900 Geldautomaten wurden abgebaut. Parkuhren werden mit Karte bezahlt und in Kirchen stehen statt Klingelbeuteln nun Automaten. Selbst Hilfsbedürftige und Spendensammler tragen mittlerweile ein Kartenlesegerät mit sich. Öffentliche Toiletten lassen sich vielerorts nur noch per Smartphoneapp bezahlen. Schon vor Jahren wurde die Verantwortung für die Zahlungsinfrastruktur auf große private Banken übertragen. Diese haben nur wenig Interesse an dem teuren Bargeld. Meist bedeutet dies nur hohe Kosten bei einem geringen Ertrag. Zurzeit überlegt die Schwedische Zentralbank sogar, eine eigene Kryptowährung, die E-Krona, einzuführen. Doch noch sehen einige Schweden im Bargeld Vorteile. Wie so viele argumentieren auch sie mit dem Gefühl für Geld, welches beim Barzahlen erhalten bleibe. Außerdem könne Bargeld nicht eingezogen werden. Mit dem Aufkommen der digitalen Währungen hat sich zudem ein neuer Zweig der Kriminalität entwickelt. War die Abschaffung von Bargeld zur Eindämmung von Kriminalfällen gedacht, so steigt nun die Kreditkartenkriminalität. Im Darknet lassen sich zahlreiche gefälschte oder gestohlene Kreditkarten zu günstigen Preisen erwerben. Dennoch werden nur noch 19 Prozent aller Zahlvorgänge bar durchgeführt. 

Bargeldlose Zukunft?

In Deutschland ist Bargeld nach wie vor sehr beliebt. Falls es zu einer bargeldlosen Welt kommen sollte, wird deren Umsetzung vermutlich noch lange dauern. Die Einführung einer digitalen Währung sollte hier keineswegs erzwungen werden. Stattdessen müssen die Wünsche der Menschen entscheidend sein. Trotzdem sollten Bargeldliebhaber auch nicht zu optimistisch in die Zukunft blicken, denn auch auf Seiten der Bargeldabschaffung gibt es Vorteile. 

2019-10-07
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  • Selina FriesSelina FriesPraktikantin MarketingWelke Consulting Gruppe
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