Johan Palmstruch

In China wurde nicht nur das Papier erfunden, sondern auch das Papiergeld. Wer die Idee einer „leichteren Währung“ Jahrhunderte später in Europa etablierte und wieso das nicht lange gut ging, erfahren Sie hier.

Wie aus Johan Wittmacher Johan Palmstruch wurde

Der Bankier Johan Wittmacher wurde 1611 in Riga als Sohn eines Kaufmannes geboren. In den Niederlanden arbeitete er erfolgreich als Geschäftsmann, bis er 1639 in Amsterdam verhaftet wurde. Ob es sich dabei um Wirtschaftsspionage oder unbezahlte Schulden handelte, ist unklar. Nach seiner Freilassung 1646 zog Johan Wittmacher nach Schweden. Dort wurde er im Jahr 1651 in den Adelsstand erhoben und trug ab diesem Zeitpunkt den Namen Palmstruch. 

Der Weg zur ersten Notenbank

Nach dem Dreißigjährigen Krieg herrschte in Schweden ein Mangel an Gold und Silber. Münzen wurden daher aus Kupfer hergestellt. Um den geringen Materialwert des Kupfers auszugleichen, musste die Größe der Münzen entsprechend angepasst werden. Das hatte zur Folge, dass eine Kupfermünze meist nicht weniger als 20 Kilogramm wog und die Maße eines Kuchenbleches besaß. Um eine alltagsfreundliche Alternative zu finden und die nach dem Krieg geschwächte schwedische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, bat der königliche Hof Johan Palmstruch um Rat. Im Jahr 1657 genehmigte die Regierung Palmstruch die Gründung einer Notenbank, der Grundstein für die sogenannte Palmstruch-Bank war gelegt. 

Die Palmstruch-Bank

Die Kunden der Palmstruch-Bank konnten ihre großen Münzen in den Kellern der Bank deponieren und erhielten im Gegenzug einen Schein, welcher den Wert des hinterlegten Kupfers dokumentierte. Diese Scheine konnten die Kunden dann als Zahlungsmittel verwenden. Die Bank handelte dabei ähnlich wie eine Regierungsbehörde. Die Hälfte der Nettogewinne mussten an die Königsfamilie ausgezahlt werden. Darüber hinaus galt es, alle Zollzahlungen über die Palmstruch-Bank abzuwickeln. Johan Palmstruchs Bank wurde somit zu einem festen Bestandteil in der Verwaltung der Finanzen des schwedischen Königreichs. 1660 verlor der Kupfer an Wert. Es mussten neue Münzen hergestellt werden, welche jedoch viel handlicher und leichter waren als die vorigen. Damit sowohl die Bank als auch die Kunden möglichst wenig ihres Vermögens verlieren würden,  gab Palmstruch erstmals Kreditzettel, sogenannte Kreditivsedlar, aus. Diese sollten als gesetzliches Zahlungsmittel gelten und nur an Personen verteilt werden, welche entsprechende Einlagen bei der Palmstruch-Bank hatten.

Das Ende

Die Kreditscheine sorgten für eine blühende Wirtschaft. Schweden erlebte aufgrund der Schlossbauten zahlreicher Adliger eine wahre Bauboom-Phase. Doch nur zwei Jahre nach der ersten Vergabe der Kredite konnten viele Adlige ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen. Die Wirtschaft wurde überhitzt. Hinzu kam, dass die Bank zu viele Banknoten ohne entsprechende Münzrücklagen ausgab, sodass es zu einer Inflation kam und Palmstruchs Bank die Noten schließlich nicht mehr einlösen konnte. Der Gründer der ersten europäischen Notenbank wurde zum Tode verurteilt, letztlich aber doch noch begnadigt. Erst kurz vor seinem Tod 1671 wurde Palmstruch aus dem Gefängnis entlassen. Die Palmstruch-Bank wurde 1668 zur Schwedischen Reichsbank und das Papiergeld zunächst verboten.

Ein Neuanfang

Die nur wenige Jahre später gegründete Bank of England gab erstmals 1694 Banknoten heraus. 1705 kursierte das erste deutsche Papiergeld in Köln und 1718 gab es die neue Währungsform auch in Frankreich. Die Schweden ließen sich dagegen Zeit und zahlten erst im Jahre 1745 wieder mit Geldscheinen. 
 

2019-10-07
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  • Selina FriesSelina FriesPraktikantin MarketingWelke Consulting Gruppe
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