Wie werden wir uns morgen fortbewegen?

Alternative Antriebssysteme, vernetzte und autonom fahrende Fahrzeuge: Oft wird über die Zukunft der Mobilität gesprochen als handele es sich dabei um ferne Utopien. Wie sehr die Zukunft aber schon begonnen hat, zeigen zahlreiche innovative Mobilitätslösungen wie Hyperloop, Lilium Jet oder microSNAp.

2019-06-18
Welke Consulting Gruppe
  • Lea HeuchtkötterLea HeuchtkötterLeitung Strategisches MarketingWelke Consulting Gruppe

Eines ist sicher – die Mobilität, wie wir sie seit Anfang des 20. Jahrhunderts kennen, wird in den nächsten Jahren nicht mehr die selbe sein. Im vergangenen brandzeichen beschäftigten wir uns unter anderem mit dem Megatrend der Urbanisierung und warfen einen Blick in die Zukunft der Stadt. Gerade in den Großstädten und Metropolen der Welt muss und wird sich einiges ändern in Sachen Fortbewegung. Die Städte werden zu klein für die Masse an Autos, die von Neuzugezogenen und Pendlern tagtäglich benötigt wird. Neue Mobilitätskonzepte und Fortbewegungsmittel stehen jedoch schon heute in den Startlöchern. So ist sich Dr. Daniel Guffarth, Studienleiter und Mobilitätsexperte der Unternehmensberatung Horváth & Partners, sicher, dass es gar nicht mehr lange dauern wird, bis erste neuartige Verkehrsmittel Einzug in die Städte halten. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel Online prognostizierte Guffarth: „Schon 2025 werden Flugtaxis in großen Städten auf ersten, festgelegten Routen Passagiere transportieren.“ Drei zukunftsweisende Projekte sollen hier stellvertretend für die umfassende Forschung und Entwicklung rund um die Zukunft der Mobilität vorgestellt werden.

Es soll das weltweit erste Flugtaxi werden. Für seinen Lilium Jet hat der Gründer Daniel Wiegand bereits 90 Millionen Dollar eingeworben. Das Start-up in der Nähe von München arbeitet an nicht weniger als der Revolutionierung des Stadtverkehrs: Ein weltumspannendes Transportnetzwerk aus Flugtaxis, die nach Uber-Vorbild via App nach Hause oder zur Arbeitsstelle gerufen werden können. Anfang bis Mitte der 2020er Jahre soll es soweit sein. Dann soll sich das senkrecht startende und landende Flugzeug zum ersten Mal mit Passagieren an Bord in einer Geschwindigkeit von bis zu 300 km/h durch die Lüfte bewegen. Großes Aufsehen erregte bereits 2017 der unbemannte Jungfernflug des Lilium Jets. Nun arbeitet das Unternehmen daran, aus dem zweisitzigen Prototypen ein serienreifes Flugtaxi mit fünf Sitzen zu bauen. Von vornherein wichtig war den Entwicklern das Thema Sicherheit. Das Flugtaxi soll dieselbe Sicherheitsstufe erreichen wie in der Passagierluftfahrt. Hierzu wurden nicht nur ausgefeilte technologische Lösungen entwickelt, alle Bauteile im Lilium Jet sind auch mindestens doppelt vorhanden, so dass bei Ausfall einer Turbine beispielsweise eine zweite übernehmen kann.

Bis es zur Serienreife kommt, sind laut Wiegand noch mehrstellige Millioneninvestitionen notwendig. Der Bau eines einzelnen Jets wird dann etwa eine halbe Million Euro kosten. Trotzdem sollen Fluggäste des Lilium Jets später weniger tief in die Tasche greifen, als sie es für eine Taxifahrt müssten. Wie das möglich ist, erklärt der Unternehmer in einem Interview mit dem Tech-Magazin t3n so: „Ein Auto ist zwar zehn- bis 20-mal güns­tiger als ein Flugzeug, es kann aber auch nur ein Zehntel so viele Kilometer machen in seiner Lebenszeit. Flugzeuge können fünf bis sechs Millionen Kilometer zurücklegen, ehe man sie ausmustern muss. Beim Personal ist das ähnlich: Ein Pilot ist zwar teurer als ein Taxifahrer aufgrund der Ausbildung, aber er fliegt bei uns ungefähr viermal schneller von A nach B. Das heißt, er macht in derselben Zeit viermal so viele Kilometer und Umsatz. Unterm Strich kommen wir also günstiger weg – spätestens, wenn unsere Flugtaxis autonom fliegen.

Von Köln nach Hamburg in einer halben Stunde – Hyperloop

Ebenso innovativ, aber auf dem Boden geblieben ist das Mobilitätskonzept Hyperloop des Paypal-Gründers und Tesla-Motors-Chef Elon Musk. Stahlbeton-Stützen sollen hierbei zwei nebeneinander liegende Fahrröhren aus Stahl tragen, in denen ein Teilvakuum herrscht. Durch diese Röhren bewegen sich auf Luftpolstern Kapseln, die bis zu 28 Passagieren Platz bieten oder auch Lasten transportieren. Durch den geringen Widerstand sollen Reise-geschwindigkeiten bis knapp oberhalb der Schallgeschwindigkeit erreicht werden, ohne die Schallmauer durchstoßen zu müssen. Das Konzept, durch geschlossene Röhren zu reisen, klingt zunächst einmal völlig neu, ist es jedoch gar nicht. Bereits 1812 stellte der britische Ingenieur George Medhurst seine grundlegende Idee der Fortbewegung ohne Luftwiderstand in einer evakuierten Röhre vor. Nur kam es bislang nie zu einer serienreifen Entwicklung. Da ist der Hyperloop bereits weiter. In den USA wurden bereits Teststrecken errichtet, Ende letzten Jahres hat die Schweizer Bahngesellschaft SBB angekündigt, eine Teststrecke bauen zu wollen. Baubeginn der drei Kilometer langen Strecke in Collombey-Muraz im Kanton Wallis könnte noch dieses Jahr sein. Die Kapseln sollen sich dort dann mit bis zu 900 km/h durch die Vakuumröhre bewegen.

Auch Hamburg will den Hyperloop testen. Hier sollen Container mit bis zu 1.200 km/h durch eine Röhre geschossen werden. Bereits 2017 schlug Hyperloop One für Deutschland mögliche Strecken für das ultraschnelle Fortbewegungsmittel vor. Die längste dieser vorgeschlagenen Routen würde kreisförmig die Städte Berlin, Leipzig, Nürnberg, München, Stuttgart, Frankfurt am Main, Köln und Hamburg miteinander verbinden. Für die komplette Rundfahrt von 1.991 Kilometern soll der Hyperloop gerade einmal 142 Minuten brauchen. Die voraussichtliche Fahrtzeit für Berlin–Leipzig läge bei 14 Minuten, Leipzig–Nürnberg bei 20 Minuten, Nürnberg–München bei 12 Minuten, München–Stuttgart bei 17 Minuten, Stuttgart–Frankfurt bei 15 Minuten, Frankfurt–Köln bei 14 Minuten, Köln–Hamburg bei 30 Minuten und Hamburg–Berlin bei 20 Minuten. Gerade im Business-Bereich würden solch kurze Fahrtzeiten lästige Inlandsflüge obsolet machen und wären auch zum Bahn- und Straßenverkehr die bessere Alternative. Es wäre wohl kein Thema mehr für einen Manager, der in Köln arbeitet, morgens zum Kundenmeeting nach Hamburg zu fahren und pünktlich zur Mittagspause wieder zurück zu sein.

Auf der CES in Las Vegas Anfang 2018 stellte das Schweizer Unternehmen Rinspeed mit dem „Snap“ erstmals ein Fahrzeug vor, bei dem Fahrwerk, die sogenannten Skateboards, und Aufbauten („Pods“) jederzeit ausgetauscht werden können. Damit wird Mobilität flexibler und passt sich den Bedürfnissen seiner Nutzer an. Eine vollautomatisierte Roboterstation soll dabei Fahrgestell und Aufbauten selbstständig zusammenfügen und trennen. 2019 folgte das kleinere Modell microSNAP. Für Firmenchef und Autovisionär Frank M. Rinderknecht ist die Zeit großer Lieferwagen, die Kunden nacheinander über den Tag bedienen, vorbei. Vielmehr glaubt der Schweizer, dass mit dem Boom des Onlinehandels kleine autonom fahrende Fahrzeuge Kunden viel effizienter und just in time beliefern können. Ebenso könnte microSNAP für den Personenverkehr eingesetzt werden. In einer Pressemeldung des Unternehmens heißt es: „Kunden wollen mehr und mehr zeitnah beliefert werden und viele Passagiere keine Sammeltaxis, die systembedingt zeitintensive Umwege fahren müssen.“ Die Koordination der digitalen Dienste für den microSNAP übernimmt ein Co-Innovationsteam.

Während sich MHP auf das intelligente Mobilitäts-Ökosystem für automatisierte intermodale Transportlösungen konzentriert, arbeitet SAP an einer Software-Plattform, die durch Datenanalysen, maschinelles Lernen und das Internet of Things die Mobilität und das Transportwesen optimiert. Schlussendlich ermöglicht EY Advisory automatisierte, nutzungsbasierte Transaktionsabrechnungen zwischen den Ökosystemteilnehmern durch seine auf Blockchain-Technologie basierte Mobilitäts-Plattform „Tesseract“. Der microSNAP ist voll von Sensortechnik. Beispielsweise gibt es im Innenraum einen Iris-Scanner zur Insassenerkennung, dimmbare Scheibenelemente in den Türen und zahlreiche Sensoren, mit denen Hindernisse und Personen auf der Straße frühzeitig und genau erkannt werden können. Die sogenannte „BlueBox“ ist die Denkzentrale für das automatisierte Fahren, die „GreenBox“ stellt die Energieeffizienz sicher. Eine Sache darf wohl bei einem Fahrzeug aus der Schweiz nicht fehlen: Den die ganze Fahrzeugbreite ausfüllenden Bildschirm ziert eine Uhr mit dem Schweizer Kreuz.

Große Umwälzungen in Sicht

Man kann es nicht anders sagen. Momentan stehen wir vor großen Veränderungen, die nicht nur die Mobilität betreffen, dort aber stark für jeden spürbar werden. Während in den letzten hundert Jahren eine kontinuierliche Weiterentwicklung der damaligen Erfindungen von der Lokomotive bis zum Automobil betrieben wurde, handelt es sich bei den zukünftig marktreif werdenden Mobilitätslösungen um gänzlich neue Konzepte. Es steht nicht mehr nur die Frage im Raum, mit welcher Art Antrieb sich Fahrzeuge zukünftig bewegen werden, sondern vielmehr, wie und wo wir uns fortbewegen, um den künftigen Anforderungen gerecht zu werden. Wie auch immer die Mobilität der Zukunft aussehen wird, ganz sicher ist, dass wir aufgrund der Strukturen und Verhaltensweisen in Wirtschaft und Gesellschaft weiterhin von Bewegung und Verkehr abhängig sein werden. Mobilität macht einen Teil unserer Lebensqualität, unserer privaten und wirtschaftlichen Freiheit aus. Mobilität bedeutet Teilhabe an wirtschaftlichen Prozessen und am sozialen Leben. Diese Teilhabe allen in Zukunft zu ermöglichen, ist Aufgabe von heute.

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