Zeitrechnung nach Corona

Das Corona-Virus hat uns fest im Griff. Mit allen persönlichen Einschränkungen und unternehmerischen Herausforderungen. Die Schockwelle der Pandemie lief innerhalb weniger Wochen einmal um den Erdball. Sie traf Gesellschaft und Wirtschaft mit voller Wucht. Lock Down. Sichern, Einschränken, Einfrieren waren die spontanen Reaktionen. Alles auf Stopp. Erste-Hilfe-Maßnahmen, um zu überleben. Durchaus notwendig und sinnvoll. Perspektive? Erstmal „auf Sicht fahren“.

Inzwischen hat sich bei den Menschen und in vielen Unternehmen so etwas wie eine „neue Realität“ eingestellt. Der Lock Down als Status. Zweifelsohne in höchstem Maße unbefriedigend und immer noch bedrohlich. Der Patient lebt noch, was nun? Wie geht es weiter und vor allem wann? Der ungewollte Stillstand bietet Raum, sich Gedanken darüber zu machen, was hinter der Nebelwand liegt. Den kann man zumindest strategisch produktiv nutzen. Eines dürfte jetzt schon klar sein: Nach der Pandemie wird anders sein als vor der Pandemie. Sogar deutlich anders. Aus meiner Sicht beginnt jetzt die Zeitrechnung n. C. –  die Zeitrechnung „nach Corona“.

Der Weg aus der Krise wird ein langsamer, schrittweiser Prozess sein. Die Glieder der globalen und nationalen Nachfrage-, und Lieferketten hängen in zu zäher Abhängigkeit aneinander, als dass sie sich schnell beschleunigen ließen. Schlimmer noch. Selbst wenn sie sich beschleunigen ließen, werden sich viele offene Enden in den Liefer- und Kommunikationsketten aus der Zeit vor Corona offenbaren. Weil die Corona-Krise ganz neue, andere Wege hervorgebracht hat. „Normal Null“ muss neu kalibriert werden. Einen einfachen Sprung zurück in die Vor-Corona-Logik, auf „alles wie gehabt“, wird es nicht geben.

Unternehmen werden einen komplett veränderten Markt vorfinden, national wie global. Die Wettbewerbsstrukturen, die Kundenstrukturen, die Lieferketten und die Marktpotenziale wurden neu gemischt. Neue Gesetzmäßigkeiten sind während der Krise entstanden und weitere werden entstehen. Hingegen werden geübte Konventionen unwiederbringlich verschwunden sein.

Kommunikationsverhalten und Einkaufsverhalten haben sich in der Krise schlagartig verändert. Die bislang evolutionär verlaufende Digitalisierung von Kommunikation, Kundenansprache, Produktpräsentation und Vertrieb hat einen disruptiven Sprung gemacht.  Als ähnlich disruptiver Game Changer der Digitalisierung aus der jüngeren Vergangenheit fällt mir spontan fast nur das iPhone ein.

In fast allen Lebensbereichen und in der Wirtschaft werden plötzlich digitale Lösungen, Tools und Prozesse genutzt. Andere Verhaltensweisen stellen sich ein. Gestern in so mancher Geschäftsführungsetage noch undenkbar und heiß diskutiert, sind sie plötzlich einfach da. Ohne Digitalisierungskonzept, keiner New-Work-Strategie folgend, einfach so. Weil man einfach gemacht hat. Weil man einfach genutzt hat, was schon da war. Aber vor allen Dingen, weil man sich getraut hat, mehr und vor allem Neues aus dem Vorhandenen zu machen. Und siehe da, es geht. Und fühlt sich – obwohl erst wenige Woche vergangen sind – schon fast normal an.

Wer vor Corona gebetsmühlenartig argumentiert hat, dass „seine“ Kunden, gar die ganze Branche, in Bezug auf die Digitalisierung noch lange nicht so weit seien, und dass die Zeit für digitale Geschäftsmodelle und Services auf absehbare Zeit noch nicht gekommen sei – jetzt ist sie es. Innerhalb von wenigen Wochen. Von ganz alleine. Und nach Corona werden diese Kunden, die Branche wieder zu Papier und Bleistift zurückkehren und den berittenen Boten schicken?

Ich habe die Digitalisierung in meinen Beratungsmandaten der letzten Jahre immer als Chance angepriesen. Ja, insgeheim sogar gehofft, dass es noch einmal einen disruptiven Sprung gibt. Ein Virus, das den kompletten Planeten lahmlegt, die Weltwirtschaft in die Knie zwingt und zigtausende Menschenleben kostet, hatte ich dabei freilich nicht im Sinn!

Nun hat aber genau diese krasse Zäsur zu dem Sprung geführt. Und nun sehe ich ihn schon fast als Risiko für viele meiner Mandate. Weil man schlecht vorbereitet ist. Teilweise gar nicht. Wer sein Businessmodell nicht dieser veränderte Markt-, Kunden- und Gesellschaftslogik anpasst – und zwar schnell – wird aus strategischen Gründen als Verlierer aus der Krise hervorgehen. Die Menschen haben Geschmack an den digitalen Möglichkeiten gefunden. Und zwar alle gleichzeitig, in kürzester Zeit, Länder und Branchen überspannend. Daraus ergeben sich so viele Chancen für die Unternehmen und die Wirtschaft insgesamt. Jetzt gilt es, den Menschen weitere dieser Lösungen anzubieten. Professioneller, visionärer, nachhaltiger. Sie werden es lieben! Vorausgesetzt, man denkt neu und macht neu. Mich jedenfalls inspiriert der Gedanke an die vielen Möglichkeiten, die sich nun ergeben. Auch und gerade, um die unvermeidlichen, einschneidenden Folgen der Corona-Pandemie möglichst schnell zu überwinden.

2020-04-27
Welke Consulting Gruppe
  • Tim GebauerTim GebauerClient PartnerWelke Consulting Gruppe

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