Implizites Wissen

Stilles Wissen

Das Wissensmanagement unterscheidet zwischen zwei Wissenszuständen: dem expliziten und dem impliziten Wissen. Das explizite Wissen einer Person ist problemlos dokumentierbar und für andere in Form von Berichten, Abläufen, Zeichnungen oder Arbeitsanweisungen greifbar. Implizites Wissen ist gemäß dem 1966 veröffentlichten Klassifizierungssystem von Michael Polanyi das genaue Gegenteil. 

Implizites Wissen - Definition und Beispiele

Implizites Wissen (tacit knowledge) wird als stilles Wissen bezeichnet und bedeutet vereinfacht ausgedrückt: "Etwas zu können, ohne dabei erklären zu können, wie es funktioniert". Eine Person weiß genau, wie etwas funktioniert und besitzt bestimmte Fähigkeiten, ohne ihr Können verbal vermitteln oder beschreiben zu können.

Implizites Wissen steht immer im direkten Bezug zu dem individuellen Können einer Person und ihren Handlungen, ohne dass diese Person dafür Erklärungen besitzen muss. Ihr Wissen ist der Person nicht bewusst und kann nur äußerst schwer in sprachlicher Form an andere Personen weitergegeben werden. Implizites Wissen basiert auf Erinnerungen, Überzeugungen und Erfahrungen und entzieht sich daher den formalen, sprachlichen Ausdrücken. Das Wissen ist stets an eine Handlung gebunden und wird ausschließlich beim aktiven Handeln einer Person (Experte) sichtbar. Erst wenn impliziertes Wissen in explizites Wissen transformiert wird, kann dieses verbal oder schriftlich kommuniziert und weitergegeben werden. 

Beispiele:
Schlagen Sie einen Nagel in eine Wand, fokussieren Sie sich ausschließlich auf Ihre Hand, in der sich der Nagel befindet. Dies tun Sie ganz automatisch, damit Sie sich mit dem Hammer nicht auf Ihren Daumen hauen. Ihre andere Hand führt automatisch den Hammer und wird von einer ergänzenden und latenten Aufmerksamkeit geführt.

Beim Klavierspielen konzentrieren Sie sich automatisch auf das Musikstück als Ganzes. Würden Sie sich stattdessen auf die Bewegungen Ihrer einzelnen Finger konzentrieren, wäre dies zwar logisch, jedoch würde das Klavierspielen dadurch fast unmöglich werden. 

Ein weiteres Beispiel für implizites Wissen ist das Fahrradfahren. Sie wissen implizit über den exakten Neigungswinkel, die aktuelle Geschwindigkeit, den Lenkeinschlag und die Kreiselgesetze, um ihr Gleichgewicht zu halten.

Implizites Wissen ist:
- fest im Unterbewusstsein verankert
- nicht verbalisierbar
- automatisch abrufbar und nutzbar
- durch mehrere (sich wiederholende) Handlungen erlernbar
- in seinem Ablauf nur schwer veränderbar

Implizites Wissen in Organisationen

Sämtliches Wissen in Organisationen wird in die Kategorien explizit und implizit unterteilt. Explizites Wissen ist ein artikuliertes und kodiertes Wissen, welches verbal oder schriftlich beschrieben werden kann. Es lässt sich innerhalb von Unternehmen schnell an mehrere Beschäftigte verteilen. Durchschnittlich macht explizites Wissen nur 10 Prozent vom gesamten, unternehmensrelevanten Wissen aus. 

Implizites Wissen wird erlangt, indem  persönliche Erfahrungen über einen längeren Zeitraum gemacht werden. Das Erfahrungswissen besitzt subjektiven Charakter und wird ausschließlich im Kopf gespeichert. Im Alltag wird implizites Wissen als Intuition oder Erfahrungsschatz begriffen, auf den man sich täglich verlassen kann. Erfahrungswissen lässt sich entweder unvollständig oder gar nicht in Worten ausdrücken. 

Handeln Personen in Organisationen kompetent, rufen sie während ihres Handelns keinerlei Handlungsregeln auf, sondern agieren spontan, automatisch oder intuitiv. Implizites Wissen hilft dem Mitarbeiter bei der individuellen Bewältigung von Unklarheiten und äußert sich als richtiges Gespür bei Problemen, intuitiven Entscheidungen und beim Erahnen von Störungen. 

Folgende Tätigkeiten erfordern hohe implizite Wissensanteile:
- kreatives, konzeptionelles und planerisches Arbeiten
- das Managen von komplexen Abläufen und nicht standardisierten Prozessen
- das Einschätzen der individuellen Verhaltensweisen von Kunden, Kollegen und Vorgesetzten
- der Aufbau und die Pflege von Kundenbeziehungen
- das Entwickeln von neuen Lösungen

Implizites Wissen ausscheidender Angestellter bewahren

Je länger ein Mitarbeiter in einem Unternehmen kreative und komplexe Aufgaben bewältigt, desto größer wird sein impliziter Wissensspeicher. Der Inhalt des Speichers  wird jedoch nur in äußerst seltenen Fällen mitgeteilt.  Dies stellt in Organisationen ein großes Problem dar. Geht der Mitarbeiter dem Unternehmen verloren, verliert die Organisation sein gesammeltes implizites Wissen. Im schlimmsten Fall verliert das betroffene Unternehmen neben dem Wissen auch das Können des Arbeitnehmers. Je größer die Wissenslücke, desto größer der Schaden für das Unternehmen. 

Bevor ein Mitarbeiter aus einem Unternehmen ausscheidet, sollten die Verantwortlichen alles Mögliche versuchen, damit so wenig Wissen wie möglich verloren geht. Zu diesem Zweck muss das gesammelte implizite Wissen nach Möglichkeit explizierbar gemacht werden. Je mehr Wissen in explizites Wissen transformiert wird, desto weniger Wissen geht beim Ausscheiden eines Angestellten verloren. Unternehmen müssen dafür sorgen, dass langjährige Mitarbeiter ihr Wissen und ihr Können rechtzeitig an einen Nachfolger weitergeben.

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