Die Welt der Kryptowährungen

2020 soll die Kryptowährung Libra an den Start gehen. Eine Allianz aus Großkonzernen und Unternehmen wie Facebook und Ebay will die digitale Währung weltweit etablieren. Wie Kritiker reagieren, was Kryptowährungen überhaupt sind und wie die neue Währung die Finanzwelt verändern möchte, lesen Sie hier.

Was sind Kryptowährungen?

Kryptowährungen sind keine Währungen im herkömmlichen Sinne, vielmehr handelt es sich um digitale Zahlungsmittel, welche auf Blockchains und digitalen Signaturen basieren. Dank diesen kryptografischen beziehungsweise verschlüsselten Werkzeugen sollen die Zahlungssysteme unabhängig und vor allem sicher sein. Mit dem Bitcoin wurde 2009 die erste und bis heute auch bekannteste Kryptowährung gehandelt. In den darauffolgenden Jahren kamen weitere digitale Zahlungsmittel (z.B. Ethereum, Ripple oder Litecoin) hinzu. 2018 waren bereits mehr als 4.500 Kryptowährungen im Einsatz. 

Mit den Kryptowährungen werden anonyme Zahlungen ermöglicht, vor allem aber gilt die digitale Währung aufgrund der komplizierten Verschlüsselung als nicht manipulierbar. Der Zahlungsverkehr erfolgt dabei ohne Zentralinstanzen. So sind Zahlungen unabhängig von Geldinstituten. Die Buchhaltung der Kryptowährungen erfolgt in einer eigenen Speicherform, dem Blockchain. Hier werden die Transaktionen des Nutzers in verschlüsselter Form festgehalten. Das System der Blockchains gilt als sehr sicher, die Transaktionen erfolgen zudem schnell und einfach. Die Funktionsweise von Blockchains können Sie hier nachlesen.

Kryptowährungen sind weltweit verfügbar und länderübergreifend gültig. Die digitale Währung wird mittlerweile nicht nur im privaten Rahmen als Zahlungsmittel akzeptiert, sondern konnte ihre Anwendung nun auch auf den Einzelhandel und bestimmte Restaurants ausweiten. So lässt sich beispielsweise eine Bestellung im Online-Shop von EDEKA mit Bitcoins bezahlen und auch die Fast-Food-Kette Burger King bietet die Kryptowährung bei Bestellungen über die App als Zahlungsmittel an. Hat man den Einkauf mit der Kryptowährung gezahlt, ist eine Rückbuchung allerdings nicht mehr möglich. Das digitale Geld ist nach dem Zahlvorgang unwiderruflich weg. Das ist ebenso der Fall, wenn der private Schlüssel aus dem Wallet, der digitalen Geldbörse, verloren geht. In diesen Fällen bestehen keine rechtlichen Ansprüche oder Absicherungen. Trotz der versprochenen Sicherheit ist ein Hackerangriff dennoch nicht auszuschließen. Da der Bitcoin-Kurs nicht in Zusammenhang mit der Realwirtschaft steht, ist der Markt sehr volatil. Es kommt sowohl zu großen Aufwärtstrends als auch zu starken Korrekturen. Aufgrund dieser Unsicherheiten haben sich der Bitcoin und andere Kryptowährungen auch noch nicht als Zahlungsmittel durchgesetzt. 

Facebook-Geld

An dieser Stelle setzt der Internet-Riese Facebook an und kündigte für das Jahr 2020 ein digitales Zahlungsmittel namens Libra an, welches im Wert deutlich weniger schwanken solle als bisherige Kryptowährungen und zudem einfacher zu nutzen sei. 
Um Kursschwankungen zu vermeiden, möchte Facebook die digitale Währung an etablierte Zahlungsmittel koppeln. So sollen in einem Reservefonds die Währungen US-Dollar, Euro und auch Yen gelagert werden. 
Direkt über das Smartphone sollen Verbraucher Geld aus ihrer nationalen Währung in Libra umtauschen können, hierfür sei nur eine Verknüpfung mit dem Bankkonto der Nutzer notwendig. Wie schon Bitcoin und Co. soll auch die Facebook-Währung in sogenannten Wallets aufbewahrt werden. Das Bezahlen mit Libra erfolgt dann über Facebook-Dienste wie WhatsApp. Ähnlich wie bei PayPal lässt sich so beispielsweise Geld an Freunde versenden. 

Libra Association 

Doch Libra ist nicht als alleiniges Facebook-Projekt zu verstehen. Gemeinsam mit renommierten Partnern wie beispielsweise Visa, Mastercard, PayPal, Uber oder Spotify, aber auch Ebay und Vodafone gründete Facebook die Allianz Libra Association mit Sitz in der Schweiz. So wird auch Facebook zu einem Partner. Libra wird im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen nicht von den Nutzern selbst erstellt. Stattdessen lässt sich die digitale Währung bei Mitgliedern der Libra Association oder auf der Handelsplattform erwerben. 
Facebook und die anderen Partner erhoffen sich von Libra ein enormes Geschäft. Der Facebook-Konzern hat mit 2,7 Milliarden Nutzern von Facebook, Instagram usw. eine enorme Reichweite. Würden davon nur 100 Millionen die digitale Währung verwenden, hätte Libra mehr Kunden als alle Banken in Deutschland zusammen. Hinzu kommen Milliarden von Menschen weltweit ohne eigenes Bankkonto. Auch diese Personen könnten dank Libra auf zahlreiche Finanzdienstleistungen zugreifen. In Entwicklungsländern mit instabiler Währung könnte sich die digitale Alternative ebenfalls durchsetzen. 

Kritik

Kritiker finden sich sowohl in der Politik als auch unter den Zentralbankchefs. Donald Trump prophezeit der Kryptowährung wenig Ansehen und Zuverlässigkeit. Viele befürchten, dass die Macht der Großkonzerne und Zentralbanken durch Libra noch weiter ausgebaut würde. Notenbanker weltweit tragen Sorge, dass sich eine Parallelwährung wie Libra nicht mehr steuern lässt und die Libra Association mit der digitalen Währung eine gigantische Schattenbank ausbaut. In Zukunft werden wohl jedoch viele Unternehmen Libra allein aufgrund der Größe des Facebook-Konzerns als neue Währung akzeptieren. Je mehr Unternehmen wiederum beteiligt sind, desto attraktiver wird letztlich auch die digitale Währung. 
Die deutsche Politik stand den Kryptowährungen zunächst kritisch gegenüber. Nun möchte ausgerechnet die CDU/CSU Deutschland zum Vorreiter im Bereich Blockchain machen. 
Die Unionsparlamentarier fordern weitreichende Schritte, damit Deutschland eine weltweit führende Position für Blockchain-Anwendungen einnimmt. Eine wichtige Rolle spielt für die CDU und CSU hier die Bundesbank. Diese solle bei der Entwicklung einer wertstabilen Kryptowährung Hilfe leisten. So wünscht sich die Partei einen staatlichen Stable Coin als Alternative zu Libra. Vielleicht findet der digitale Euro bei der Blockchain-Strategie der Bundesregierung bereits Berücksichtigung. 

Kryptowährungen sind nach wie vor schwer einzuschätzen und werden daher vermutlich auch in naher Zukunft nicht als sichere Investition gelten. Die Tatsache, dass eine Allianz aus solch renommierten Unternehmen und Konzernen in die Entwicklung einer digitalen Währung investiert, beweist das steigende Interesse von Unternehmen und Investoren an Kryptowährungen. Das Konzept von Libra ist zwar kritisch zu hinterfragen, dennoch sollte nicht zu schwarzmalerisch an die neue Währungsform herangetreten werden. So gilt es, die Entwicklung der Kryptowährung nach der Veröffentlichung 2020 zunächst einmal zu beobachten. Durch Libra werden nicht nur andere Kryptowährungen populärer, klar ist, dass das „Facebook-Geld“ auch Auswirkungen auf die Finanzwelt haben wird.

2019-10-07
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  • Selina FriesSelina FriesPraktikantin MarketingWelke Consulting Gruppe
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