Leben in einem Netzwerk von Netzwerken?

Konnektivität bedeutet leben in einem Netzwerk von Netzwerken. Nicht nur Menschen sind immer und überall miteinander verbunden – auch Organisationen und Unternehmen. Innerhalb der Netzwerkgesellschaft sind die verschiedenen Teilnehmer durch meist elektronische Verknüpfun-gen miteinander verbunden. Netzwerke können innerhalb oder zwischen verschiedenen Netzwerken bestehen. Immer öfter müssen sich dabei Unternehmen und Individuen über Raum und Zeit hinweg vernetzen, um langfristig erfolgreich zu wirtschaften.

2019-08-23
Welke Consulting Gruppe
  • Lea HeuchtkötterLea HeuchtkötterLeitung Strategisches MarketingWelke Consulting Gruppe

Den Begriff der Netzwerkgesellschaft hat einst Manuel Castells in seiner Trilogie (The Network Society 1996, The Power of Identity 1997, End of Millenium 1998) geprägt. Netzwerke sind dabei als eine Art „Raum der Ströme“ zu verstehen, in welchem anwesend oder abwesend kommuniziert und interagiert wird. Castells beschrieb drei unabhängig voneinander ablaufende Prozesse, die seit den 1960er Jahren den Übergang von der Industriegesellschaft in eine Netzwerkgesellschaft prägen.

  • „Der Informationalismus“ (die informationstechnische Revolution über die weltweite Verbreitung des Internets)

  • „Die Restrukturierung des Kapitalismus“ (Entwicklung der Globalisierung hin zu dezentraler Wirtschaft und Politik)

  • „Das Entstehen neuer Kulturen“ (Entstehung von virtuellen Realitäten, die die Bedeutung von Raum und Zeit verändern und für gesellschaftliche Integration von zunehmender Bedeutung sind)

Mit dem Eintritt in das „Netzwerkzeitalter“ wurden Wissen und Information zum Rohstoff neuer, vernetzter Handelsprozesse, dessen Mehrwert insbesondere durch die Kenntnisse und den Austausch von Daten bestand. Informationen werden gegenüber den traditionellen Faktoren Arbeit, Boden und Kapital zu einem zentralen Wirtschaftsfaktor: Der „informationelle Kapitalismus“, wie Castells ihn beschreibt. Er ist weder an staatliche Grenzen noch an regionale Märkte gebunden und brachte multinationale Unternehmen hervor, die jenseits der politischen Einflussnahme tätig sind. Denn Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit hängen extrem von der Fähigkeit ab, wissensbasierte Informationen effizient zu verarbeiten und anzuwenden. Diese neue Wirtschaftsform ist global und vernetzt. Die Produktivität entsteht durch die Vernetzung von Interaktions- und Unternehmensnetzwerken. „Der Geist des Informationalismus“ sei gekennzeichnet durch Unsicherheiten bei der informellen Wertschöpfung, dem Mangel eines ethischen Unterbaus, der Durchsetzung von flexiblen Arbeitsformen und gemischter Berufsprofile. Lebenszyklen verschwimmen und eine „Kultur der realen Virtualität“ entsteht.

Der Austausch von Daten, Wissen und Information stehe für einen Anstieg der Produktivität und Interaktivität, gleichzeitig aber auch, so Castells, für eine soziale Bruchlinie.

 

Die neue World-Wide-Web-Welt werde von zwei Gruppen bewohnt, den „Interagierenden“ und den „Interagierten“. Die Gruppe der Zweiteren leide unter Zugangsbeschränkungen und dem Ausschluss von gesellschaftlichen Kommunikationsformen. „Die Abwärtsspirale der sozialen Exklusion“ kann jeden erfassen, der mit der Dynamik des Vernetzungsprozesses nicht mithalten kann. Damit kann die Netzwerkgesellschaft komplexes und widersprüchliches Verhalten unserer Zeit erklären: die informelle Verwirrtheit.

Castells kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen nur konkurrenzfähig bleiben können, wenn sie ihre Strukturen verändern. Netzwerkunternehmen weisen flache Hierarchieebenen, Teamwork und Prozessorientierung aus.

Wissen muss in der Organisation verbleiben. Stabile Beschäftigungsverhältnisse animieren Mitarbeiter beispielsweise dazu, ihr Wissen der Organisation zur Verfügung zu stellen.

Wissen steht im Zentrum jedes Netzwerkunternehmens. Die Produktivität und die unabdingbare Erstellung von Wissen wird zu einer zentralen Managementaufgabe.

Wissen lässt sich in tangibles und intangibles Wissen unterteilen. Während tangibles Wissen sich formal z. B. in grammatikalischen Sätzen, mathematischen Formeln, Notizen oder Handbüchern artikulieren lässt, entzieht sich intangibles, implizites Wissen jeder Art von sprachlichem Ausdruck. Es baut auf Erfahrung einzelner Personen auf und bezieht sich auf Faktoren wie persönliche Überzeugungen oder Wertesysteme. Insbesondere in der westlichen Welt wird sich fast ausschließlich auf das explizite Wissen beschränkt und das implizite weitestgehend vernachlässigt. Studien gehen allerdings davon aus, dass nur ca. 10 % des unternehmensrelevanten Wissens in expliziter Form vorliegt. Der überwiegende Anteil besteht aus implizitem Wissen und ist als subjektive Empfindung lediglich im Kopf der Mitarbeiter verankert.

Implizites Wissen hilft bei der Bewältigung von unvorhersehbaren Ereignissen und äußert sich in der richtigen Intuition. Besonders das Miteinander mit Kollegen oder Kunden oder auch besonders kreative Herausforderungen erfordern häufig viel impliziertes Wissen. Mitarbeiter handeln automatisch, spontan und intuitiv. Doch es gibt Methoden, einen Teil des implizierten Wissens zu übertragen. Studien besagen, dass nur 2 % der Informationen in Unternehmen verschriftlicht werden.

Betrachtet man Informationen in Netzwerkunternehmen und darüber hinaus heute als wichtigen Wettbewerbsvorteil, liegt hier ein immenses Potenzial.

Mit Zunahme der Komplexität von globalen Systemen und Netzwerklogiken spielt das Thema Identität eine zunehmend wichtigere Rolle

Bewusstes Wissensmanagement erhöht die Effizienz, verbessert die Kundenbeziehung und stellt einen direkten Wettbewerbsvorteil dar. Innerhalb von Netzwerken ist die Erschaffung einer netzwerkinternen Basis mit explizitem und implizitem Wissen von essenzieller Bedeutung. Unabdingbar ist dafür eine Kultur, in der sämtliche Netzwerkpartner freiwillig und gerne ihr Wissen mit dem Netzwerk teilen – und zwar explizites und implizites Wissen!

Netzwerkorganisation

Eine Netzwerkorganisation ist eine Organisation, die auf das Wesentliche reduziert ist und kann als Abbild realer, informeller Strukturen gesehen werden. Sie bietet die Möglichkeit, Zuständigkeiten und Verantwortungsbereiche zu verteilen und zeichnet sich durch einen hohen Grad an Autonomie aus. Zusammengehalten werden solche Netzwerke durch übergeordnete, gemeinsame Ziele.

Was ist der Markt und was sind wir?

Netzwerkunternehmen haben eine definierte Außengrenze: die Geschäftstätigkeit.

Innerhalb dieser Grenze sorgen gemeinsam definierte Werte und Prinzipien für Identität, die umso wichtiger wird, desto weniger greifbar die physische Zusammengehörigkeit ist.

Gemeinsame Basis, insbesondere bei dezentralen Netzwerkgesellschaften, muss das Werteverständnis sein. Eine klar definierte Vision und Mission, die jedem Mitarbeiter geläufig sind, geben die Richtung vor. Sie sind Realitätsfilter und Grundlage jeder täglichen Diskussion. Jede geschäftliche Entscheidung muss sich den Fragen unterordnen: Macht das Sinn? Sind wir das?

Das ist die Grenze zwischen innen und außen. Ohne diese scharfe Abgrenzung durch eine wertebasierte Unternehmensführung kann ein dezentrales Unternehmensnetzwerk nicht bestehen. Identität und innere Disziplin entscheiden über Erfolg oder Nichterfolg. Der Wandel von zentralen Organisationen zu dezentralen, von Führung zu Leadership, spiegelt sich nirgendwo mehr wider als in der Identität des Unternehmens. Organisationen, die über Machtverhältnisse und Regeln funktionieren, brauchen keine gemeinsamen Werte, sondern die Durchsetzung starker Regelwerke. Kooperativ geführte Unternehmen mit flachen Hierarchien hingegen benötigen diesen Ankerpunkt des kleinsten gemeinsamen Nenners.

Motivation, Eigeninitiative und Wertschätzung sowie das gemeinsame Ziel werden so zum Treiber des Erfolgs

 

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